Monumental
Das Grüne Band auf dem Weg zum Nationalen NaturmonumentThüringen hat den Anfang gemacht.
Phänomenal
Entdecken Sie
das Grüne
Band Thüringen
Das Grüne Band
International
Ein Grünes
Band durch
ganz Europa
Der Eiserne Vorhang trennte von 1945 bis 1989 ganz Europa. In seinem Schatten entwickelte sich ein weltweit
einzigartiges, zusammenhängendes Band vielfältiger Lebensräume, die anderswo bedroht oder ganz verschwunden
sind – auf über 12.500 km Länge in Europa und 1.400 km in Deutschland.
Auch in Thüringen ist das Grüne Band als Verbund seltener Biotope besonders wertvoll und schützenswert. Diese
einmalige Verbindung von Natur und Geschichte macht es zu einem ganz besonderen Ort und hat die Bewohner der
Region geprägt.
Vom Todesstreifen zur Lebenslinie.
Diese Entwicklung ist sensationell. Dafür verdient das Grüne Band eine monumentale Anerkennung – Den ersten Schritt unternahm Thüringen 2018 mit der Ausweisung des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument.
www.europeangreenbelt.org
- Ostsee
- Elbe
- Harz
- Obere Saale
- Sächsisches Vogtland
Naturmonument
Denkmal!
Thüringen ist Vorreiter
Nach dem Vorbild der National Monuments in den USA schuf der Bundestag im Jahr 2009 eine neue Schutzgebietskategorie – das Nationale Naturmonument. Damit können herausragende Gebiete aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit und ihrer wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Besonderheit geschützt werden.
Als erstes Bundesland hat Thüringen das Grüne Band als Nationales Naturmonument ausgewiesen - als Schatzkammer der Artenvielfalt und lebendiges Denkmal der Geschichte“. Die Ausweisung des Nationalen Naturmonuments eröffnet Chancen für Mensch und Natur am Grünen Band. Nutzen wir sie mit naturgerechter Nutzung, die das Grüne Band für Tiere und Pflanzen erhält und Menschen die Spuren von Natur und Geschichte entdecken lässt.
Naturmonument
Merkmal
das hat Schutzwert
Das Grüne Band verbindet als halboffene, teils extensiv genutzte Struktur unterschiedliche Lebensräume miteinander und stellt ein Rückgrat im Biotopverbund dar, das sich auch an der Vielzahl der Schutzgebiete auf beiden Seiten erkennen lässt. Im Grünen Band Deutschland finden sich mehr als 1.200 Arten der Roten Liste Deutschlands.
Mit seiner Verbindung aus Natur und Geschichte hat das Grüne Band als Naturschutzprojekt ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Hier treten Habitate auf, die früher typisch für unsere Kulturlandschaft waren, aber aufgrund der Nutzungsintensivierung selten geworden sind. Wo früher die Grenze Familien und Freunde trennte, lädt das Grüne Band heute zur gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte ein.
Geschichte
Brutal
die inner- deutsche Grenze
1945
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs übernehmen die Alliierten Frankreich, Großbritannien,
USA und Sowjetunion die Verwaltung der vier Besatzungszonen und Berliner Sektoren im
besiegten Deutschland.
Die Demarkationslinie zwischen den Zonen wird mit Holzpfeilern und Farbe an Bäumen
markiert. Der kleine Grenzverkehr ist für Landwirte und Arbeitspendler möglich.
1946
Churchill erklärt in seiner berühmten Iron-Curtain-Rede: „Von Stettin an der Ostsee
bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang auf Europa herabgesenkt.“
Mit der Abschottung des Ostblocks beginnt der Kalte Krieg. Im Juni sperrt die Sowjetische
Militärverwaltung die Demarkationslinie zu den westlichen Besatzungszonen – mit Einführung
des Interzonenpasses ist die Grenze nur noch eingeschränkt passierbar.
1949
Mit der Gründung der beiden deutschen Staaten wird aus der Zonengrenze die deutsch-deutsche Grenze.
Die ersten Wachtürme aus Holz werden errichtet, zusätzlich zu den seit 1947 aufgestellten Hindernissen
aus Stacheldraht in Waldgebieten und an schwer einsehbaren Stellen und den Straßensperren an
grenzüberschreitenden Straßen und Wegen.
Geschichte
1952
Entlang der Grenze wird neben einem 10 m breiten Kontroll- und einem 500 m breiten Schutzstreifen eine
5 km breite Sperrzone eingerichtet. Den Einwohnern des Sperrgebiets sind Ein- und Ausreise nur mit Passierschein
und Kontrollen möglich. Westbesuch ist verboten und selbst Verwandte und Freunde aus der DDR brauchen Besuchsgenehmigungen.
Die „Aktion Ungeziefer“ bedeutet die Zwangsumsiedlung für viele „nicht vertrauenswürdige“ Familien.
1961
Nach dem Bau der Berliner Mauer wird der Kontrollstreifen an der innerdeutsche Grenze zum Todesstreifen ausgebaut:
Minen, Selbstschussanlagen und Schießbefehl sollen Fluchtversuche in den Westen verhindern.
Mit der „Aktion Kornblume“ werden nochmals viele Anwohner aus dem Sperrgebiet zwangsumgesiedelt. Insgesamt waren von
beiden Aktionen mehr als 11.000 Menschen betroffen.
Final
das Ende des eisernen Vorhangs
1989
Im Frühjahr lockert Ungarn die Sicherung der Grenze zu Österreich und setzt den Schießbefehl aus. Ein „Loch“ im Eisernen
Vorhang tut sich auf und löst eine Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westen aus.
Die friedliche Revolution führt zum Fall der Mauer am 9. November 1989 und zur Grenzöffnung. Bereits am 9. Dezember treffen
sich auf Einladung des BUND 400 Naturschützer aus Ost und West und verabschieden eine Resolution zum Schutz des Grünen Bandes.
Geschichte
Zentral
vom Todes- streifen zur Lebenslinie
1990
Der BUND veranstaltet eine erste Pressefahrt am Grünen Band. Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz werden erstmals
die hier lebenden Arten, darunter viele seltene Vogelarten, erfasst.
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten beginnt im November eine West-Ost-Initiative aus Naturschutz, Kunst,
Kommunen und Wirtschaft mit der Pflanzung des BAUMKREUZES bei Ifta.
1996
Das Mauergrundstücksgesetz regelt die Ansprüche der früheren Besitzer. Die Grundstücke entlang der ehemaligen Grenze werden
den ehemaligen Eigentümern zum Rückkauf angeboten. Alle nicht von Rückerwerbsanträgen betroffenen Grundstücke können ohne
Rücksicht auf Naturschutzaspekte auf dem freien Markt verkauft werden.
Sachsen stellt sein gesamtes Grünes Band unter Schutz.
1998
Bayern und Thüringen starten das erste grenzüberschreitende Arten- und Biotopschutzprojekt „Steinachtal Lindner Ebene“:
Modellhaft werden das Grüne Band gesichert und Achsen ins Umland entwickelt. Zwei Jahre später erwirbt der BUND die ersten
Flächen im Grünen Band – mit der Hilfe von Spendern, die den Erhalt des Grünen Bandes sicherstellen wollen.
Geschichte
2002
Gorbatschow weiht das WestÖstliche Tor im Eichsfeld als Symbol für die Überwindung der Teilung ein. Mit der Initiative
Grünes Band Europa erhält das Engagement für die ehemaligen Grenzflächen eine neue Dimension.
Von der Ostsee bis nach Sachsen findet eine erste flächendeckende Bestandserfassung im Grünen Band statt. Die Ergebnisse
belegen seinen Wert für die Artenvielfalt und als Biotopverbund.
2010
Nach langem Ringen um ihren Erhalt für den Naturschutz werden die bundeseigenen Flächen im Grünen Band an die Länder übertragen.
Der Schluss von Lücken im Grünen Band und die naturschutzgerechte Pflege von wertvollen Magerrasen und Zwergstrauchheiden
beginnt – großenteils durch engagierte Schäfer. Aber auch viele Freiwillige pflegen die Biotope vor Ort.
Monumental
Natur und Erinnerung
2018 Der Freistaats Thüringen weist die gesamten 763 km des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument aus. Damit erhält das Grüne Band endlich einen flächenhaften Schutz. Der BUND setzt sich weiterhin dafür ein, dass das gesamte Grüne Band Deutschland als Teil des europäischen Biotopverbunds European Greenbelt dauerhaft gesichert und entwickelt wird.
360-
Gradtouren
Hier können Sie demnächst zwei Orte am Grünen Band virtuell erkunden
FAQ
Zehnmal
Die wichtigsten Fakten zum
grünen Band
Was ist das Grüne Band?
Der Eiserne Vorhang trennte von 1945 bis 1989 Europa in zwei Welten. Entlang der streng bewachten Grenze konnte sich die Natur entwickeln – von Menschen kaum gestört. So entstand ein monumentales, weltweit einzigartiges, zusammenhängendes Band vielfältiger Lebensräume, die anderswo bedroht oder ganz verschwunden sind.
Dieser europäische grüne Korridor ist über 12.500 km lang, durchquert heute 24 Staaten
und zieht sich von der eiskalten Barentssee an der Grenze von Skandinavien zu Russland
bis hinunter zu den warmen Küsten des Mittelmeeres in Albanien und des Schwarzen
Meeres in Bulgarien.
Dabei verbindet das Grüne Band ganz unterschiedliche Biotope miteinander. Seltene Tiere
und Pflanzen können sich entlang dieses Bandes ausbreiten und zwischen geeigneten
Lebensräumen größtenteils gefahrlos wandern. Große Teile wurden unter Naturschutz
gestellt, damit die erstaunliche biologische Vielfalt an der ehemaligen Grenze erhalten bleibt.
Das Grüne Band erinnert als lebendes Denkmal an das Leid des Kalten Krieges und
ist ein Symbol für die friedliche Revolution. Seine Entwicklung vom Todesstreifen zur
Lebenslinie ist einmalig. Es muss bewahrt werden, denn was könnte das einstmals
geteilte Europa besser verbinden als die Natur, für die die ehemalige Grenze nie eine
wirkliche Barriere war?
WAS IST EIN NATIONALES NATURMONUMENT?
Mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes im Jahr 2009 wurde vom Bundestag eine neue Schutzgebietskategorie geschaffen – das Nationale Naturmonument. Damit können herausragende Gebiete für ihre nationale Bedeutung gewürdigt werden. Im Unterschied zu Nationalparks können Nationale Naturmonumente kleinflächiger und vom Menschen beeinflusst sein. Das Ausweisungskriterium der nationalen Bedeutung der Gebiete haben sie jedoch gemeinsam. Im Gegensatz zu Naturschutzgebieten spielt bei Nationalen Naturmonumenten (NNM) der Kulturwert neben dem Naturwert eine wichtige Rolle. Die zwei ersten Nationalen Naturmonumente wurden im August 2016 und April 2017 ausgewiesen. Es handelt sich um den 75 ha großen Hutewald der Ivenacker Eichen in Mecklenburg- Vorpommern und um die Bruchhauser Steine mit ihrer arktisch-alpiner Flora im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Das Grüne Band Thüringen ist somit mit ca. 6.850 ha das erste großflächige Nationale Naturmonument (vgl.: www.bfn.de/themen/gebietsschutz- grossschutzgebiete/nationale-naturmonumente.html)
Bundesnaturschutzgesetz §24, (4):
„Nationale Naturmonumente sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die
- aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und
- wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit
Warum ist das Grüne Band so schützenswert?
Im Zuge der innerdeutschen Grenzsicherung wurde in Deutschland ein durchschnittlich 111m breiter und 1.393 km (in Thüringen 763 km) langer und wenig zerschnittener Streifen freigehalten. Dadurch entstand eine halboffene Landschaft mit Rohbodenstandorten und Altgrasfluren mit einzelnen Gehölzen, Mooren, Heiden und Flussauen. Durch den Verzicht auf Düngung hatte eine Vielzahl konkurrenzschwächerer Kräuter eine Chance und mit ihnen seltene Insekten, die oft an spezifische Blütenpflanzen gebunden sind. Entlang dieses Streifens konnten sich viele seltene Tiere und Pflanzen fortbewegen, die in der übrigen Landschaft Probleme hatten, von einem Biotop zum nächsten zu gelangen. In dem unter strengster Bewachung selten gemähten Grasland fühlte sich auch eine Vielzahl bodenbrütender Vogelarten wohl. Der Grenzstreifen entwickelte sich zu einem Refugium seltener Arten, die aus der immer intensiver genutzten Landschaft verschwanden. Er wurde zum längsten Biotopverbund Mitteleuropas, den die verschiedensten Arten nutzen von: Wildkatze, Fischotter und Luchs bis zur Wanstschrecke.
Trotz des zunehmenden Nutzungsdrucks nach dem Mauerfall und Veränderungen durch Landbewirtschaftung bzw. Nutzungsaufgabe blieb ein ein Großteil der wertvollen Biotope und Arten wie auch die Biotopverbundfunktion erhalten, wie flächendeckende Bestandserfassungen des Bundesamtes für Naturschutz 2001 und 2012 und regelmäßiges Monitoring ausgewählter Flächen belegen. Die Übertragung bundeseigener Flächen an die Länder und der Status als Nationales Naturmonument erleichtern Schutz und Entwicklung des Grünen Bandes als Schatzkammer der Artenvielfalt und Erinnerungslandschaft
Was macht das Grüne Band so besonders?
Bereits in den 70er Jahren entdeckten Naturschützer aus der BRD, dass ausgerechnet der menschenfeindliche Todesstreifen sich zu einem Rückzugsraum der Natur entwickelt hatte und tauschten sich mit Freunden aus der DDR über ihre Funde aus, streng beobachtet von der Staatssicherheit. Gleich nach dem Mauerfall, im Dezember 1989, organisierte der BUND ein Treffen von Naturschützern aus Ost und West zur besonderen Bedeutung des Grenzstreifens für die Natur. 400 Teilnehmer verabschiedeten eine Resolution zum Schutz dieses „grünen Bandes“. Seitdem engagieren sich eine Vielzahl von Menschen, die früher durch die Grenze getrennt waren, gemeinsam für den Erhalt dieses Grünen Bandes als Perlenkette der Natur, lebendiges Denkmal der Geschichte und Begegnungsort. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von 24 Ländern auf europäischer Ebene entlang des „Grünen Bandes Europa“ ist ebenso einzigartig wie die Zusammenarbeit über Fachgebietsgrenzen hinweg. Das Grüne Band als lebendige Spur der Geschichte in der Landschaft trägt zudem dazu bei, dass sich Menschen aus Ost und West und verschiedenen Generationen ihre Geschichten erzählen und ist somit ein aktiver Beitrag zur Aufarbeitung der deutsch-deutschen und europäischen Geschichte.
Soll man die Natur am Grünen Band sich selber überlassen oder darf es noch genutzt werden?
Um Flüchtende schnell erkennen zu können, wurde der Todesstreifen in regelmäßigen Abständen freigehalten. Nur direkt an der Landesgrenze selbst wurde oft das Aufkommen von Bäumen und Sträuchern toleriert. Dadurch hat sich eine halboffene Landschaft entwickelt, die vor allem von Arten des Offenlandes genutzt wurde, die früher in unserer traditionell genutzten Kulturlandschaft typisch waren.
Artenvielfalt braucht beides: Wildnis vor allem im Gebiet alter Wälder und in strukturarmen Regionen und Landschaftspflege gerade auf nährstoffarmen Standorten z.B. der Mittelgebirge und im Grünen Band. Hier erhalten Mahd und Beweidung u.a. seltene Bergwiesen und Borstgrasrasen, Halbtrockenrasen, Zwergstrauchheiden und Feuchtwiesen für Mensch und Natur. In Bereichen, in denen die Offenhaltung nicht möglich ist, ist im Grünen Band eine allmähliche Entwicklung zu Naturwäldern vorgesehen.
Da das Grüne Band eine besondere Bedeutung für den Offenland-Biotopverbund besitzt, ist eine extensive Mahd oder Beweidung auf einem Großteil der Flächen explizit erwünscht. Gerade für Wanderschäfer hat das Grüne Band eine besondere Bedeutung, da durchgehende Wanderrouten selten geworden sind und die Schäfer über das Grüne Band auch zu anderen wertvollen Biotopen gelangen. Das Grüne Band hat sich zu einem Anziehungspunkt für Landnutzer entwickelt, die Wert auf traditionelle und naturnahe Nutzungsformen legen. Eine Beweidung mit Schafen, Ziegen, Robustrindern und Konikpferden, aber auch die Mahd einzelner Flächen mit einfachen Mitteln als gemeinschaftliches Erlebnis tragen zu einem besonderen Landschaftserleben für Anwohner und Touristen bei. Extensive Nutzung schafft zudem mehr Arbeitsplätze als eine weitgehend maschinisierte Intensivnutzung, die nicht nur im Grünen Band die Artenvielfalt beeinträchtigt. Durch Entbuschungsmaßnahmen hat der Naturschutz neue landwirtschaftlich nutzbare Fläche geschaffen, die bisher z.B. von Fichtenjungwuchs überwuchert waren.
Warum ist nur das Grüne Band Thüringen Nationales Naturmonument?
Naturschutz ist Ländersache, d.h. auch ein Nationales Naturmonument wird vom Bundesland ausgewiesen. Mit seinen 763 km Länge hat Thüringen den größten Anteil am längsten Biotopverbund Deutschlands. Der Freistaat Thüringen hat wie schon bei der Flächenübertragung und bei der aktiven Teilnahme an deutschen und internationalen Projekten zur Entwicklung des Grünen Bandes eine Vorreiterrolle eingenommen. Doch auch andere Bundesländer bereiten sich auf eine Ausweisung ihres Teils des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument vor. Für Thüringen heißt es nun, die Chancen des Nationalen Naturmonuments zu nutzen und das Grüne Band als Lebens- und Rückzugsraum für Mensch und Natur zu entwickeln.
Wer ist verantwortlich für das Nationale Naturmonument?
Die Stiftung Naturschutz Thüringen ist der Träger des Nationalen Naturmonuments Grünes Band Thüringen. Diese Verantwortung übernimmt sie gemeinsam mit lokalen Akteuren wie den Nationalen Naturlandschaften und den Grenzlandmuseen. Innerhalb von fünf Jahren nach Verabschiedung des Gesetzes muss der Träger mit den Akteuren vor Ort einen sogenannter Pflege- und Entwicklungsplan aufstellen und konkrete Maßnahmen auf den einzelnen Flächen vorschlagen. Denn das Grüne Band ist vielfältig. Jede Art und jedes Biotop hat besondere Ansprüche und jede Region besondere Stärken und Potentiale.
Eine Umsetzung von Maßnahmen auf Privatflächen bedarf der Zustimmung der Eigentümer und Nutzungsberechtigten, die mit guten Argumenten gewonnen werden müssen. Selbstverständlich spielt auch der BUND Thüringen weiterhin eine große Rolle, denn er ist in der Fläche vertreten mit einer Vielzahl von Ehrenamtlern, die Pflegeeinsätze und Artenhilfsmaßnahmen durchführen und Exkursionen leiten und Geschichte und Natur vermitteln. Der Landesverband des BUND, selbst Eigentümer von rund 200 ha am Grünen Band wird auch weiterhin eigene Projekte vor Ort durchführen.
Wie wird im Nationalen Naturmonument Grünes Band mit der Geschichte umgegangen?
Auch wenn die Idee des Grünen Bandes von aktiven Naturschützern entwickelt wurde – von Anbeginn war allen Akteuren bewusst, dass der frühere Todesstreifen zu viel Leid geführt hatte, dass an der ehemaligen Grenze Menschen getötet, Familien und Freunde getrennt, Anwohner zwangsausgesiedelt und bespitzelt wurden und auch viele Grenzer dem inneren Druck nicht standgehalten und den Selbstmord gewählt hatten. Die ersten jugendlichen Erforscher der Artenausstattung des Grünen Bandes waren bei ihren Erfassungen von der Stasi beobachtet worden, sie konnten sich im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs nur auf der DDR-Seite treffen und glaubten nicht an die Möglichkeit des ungehinderten Gegenbesuchs. Viele der ersten Akteure am Grünen Band kamen aus der Umwelt- und Bürgerrechtsbewegung der DDR.
Das Einzigartige am Projekt Grünes Band war von Anfang an die Idee, aus dem menschenfeindlichen Todesstreifen eine Lebenslinie zu machen, aus der trennenden Grenze eine Begegnungszone zu schaffen, ein Ort, der Familien anregt, ihre Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten, der Menschen aus Ost und West dazu bringt, sich die unterschiedlichen Lebensgeschichten zu erzählen und eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.
Das Grüne Band regt als lebendige Spur der Geschichte in der Landschaft dazu an, sich konstruktiv und gemeinsam mit den Themen Demokratie und Freiheit, Landnutzung und Naturschutz und der deutschen Teilung auseinanderzusetzen. Regelmäßig gehen wir mit Schulen ins Grüne Band und lassen Kinder und Jugendliche Spuren der Natur und der Geschichte entdecken. Es gibt bereits seit langen Jahren eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und den Grenzlandmuseen, z.B. bei Bildungsprojekten.
Was bedeutet die Ausweisung als Nationales Naturmonument für eine touristische Entwicklung?
Bereits jetzt zieht das Grüne Band eine Vielzahl an Touristen aus dem In- und Ausland in die ehemaligen Grenzregionen.
Die Menschen kommen, um Natur und Landschaft zu erleben und gleichzeitig etwas über die innerdeutsche Geschichte und
die Menschen in den ehemaligen Grenzregionen zu erfahren. Daher soll auch für ein Nationales Naturmonument Grünes
Band das Prinzip gelten: Jeder Fußgänger darf das Grüne Band erleben, denn nur wer die Natur kennt, ist auch bereit,
sie zu schützen. Für Radfahrer gibt es die Initiative „Iron Curtain Trail“, mit der Routen entwickelt wurden, die
Geschichte und Natur am Grünen Band erleben lassen, ohne das Fahrrad auf den Lochplatten zu verschleißen oder
seltene Vögel aufzuschrecken. Es gab bereits mehrere Projekte zur Erlebbarmachung des Grünen Bandes.
So wurden im Projekt „Erlebnis Grünes Band“ modellhaft Angebote für Touristen entwickelt wie z.B. Audiotouren mit
Zeitzeugenberichten und naturkundlichen Informationen. Landschaftspflegemaßnahmen wurden durchgeführt, die seltenen
Arten wie Arnika und Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu Nutze kommen oder auch dem Wanderer, der sonst in Fichtenforsten
den Überblick verlieren würde, tolle Bergwiesentälchen zu erschließen.
Welchen Mehrwert haben die ehemaligen Grenzregionen von einem Nationalen Naturmonument Grünes Band?
Die Einzigartigkeit des Grünen Bandes als Schatzkammer der Artenvielfalt und Erinnerungslandschaft hat bereits eine Vielzahl von Menschen in die meist abgelegenen Regionen des Grünen Bandes gelockt und diese bekannter gemacht. Das Grüne Band scheint sich zu einem Anziehungspunkt für Liebhaber der Natur und traditioneller Bewirtschaftungsformen entwickelt zu haben. Dort, wo lokale Akteure sich langfristig für eine sanfte Landentwicklung einsetzen, können durch die speziellen Stärken des Grünen Bandes durchaus Arbeitsplätze in Tourismus, Gastronomie und Vermarktung regionaler Produkte entstehen, wie es in anderen Großschutzgebieten bereits der Fall ist. Eine Auszeichnung als Nationales Naturmonument erhöht dabei definitiv die Attraktivität für die Landschaften und ihre Produkte.
